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::: Aragonien und seine Geschichte :::

Aragonien (spanisch, aragonesisch Aragón, katalanisch Aragó) ist eine Autonome Gemeinschaft im Nordosten Spaniens. Sie grenzt im Norden auf dem Hauptkamm der Pyrenäen an Frankreich, im Osten an Katalonien, im Südosten an Valencia und im Westen an Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, La Rioja sowie Navarra. Hauptstadt ist Saragossa.

Das Gebiet der heutigen Autonomen Gemeinschaft entspricht dem früheren Königreich Aragonien im engeren Sinne, das seinen Namen wiederum dem Fluss Aragón verdankte.

Geografie:
Der Norden Aragoniens wird von den Pyrenäen geprägt, deren Hauptkamm auf der gesamten Länge die Nordgrenze der Autonomen Gemeinschaft bildet.

Durch die Ebene des zentralen Aragoniens verläuft der Mittellauf des Ebro, zu dessen Einzugsbereich der größte Teil der Region gehört.

Im Süden der Region liegen Teile des Iberischen Randgebirges.

Flüsse:
Weitere bedeutende Flüsse in der Region neben dem Ebro sind der Aragón, der Gállego und der Segre (alle drei linke Nebenflüsse des Ebro), der Cinca (ein Nebenfluss des Segre), der Jalón (ein rechter Nebenfluss des Ebro), der Jiloca (ein Nebenfluss des Jalón) sowie der Mijares und der Turia, die vom Süden Aragoniens aus durch die Region Valencia direkt ins Mittelmeer fließen.

Bevölkerung:
Aragonien gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen Spaniens. Die einzige Großstadt ist die Hauptstadt Saragossa, in der ca. die Hälfte der Einwohner der Region lebt.

Sprachen:
Neben dem Spanischen wird in einigen Tälern der Pyrenäen noch die autochthone Aragonesische Sprache gesprochen, die sich vom aragonesischen Dialekt des Spanischen abhebt. Zudem wird in einigen Bezirken im Osten Aragoniens längs der Grenze zu Katalonien Katalanisch gesprochen.


Geschichte:
Das Gebiet gehörte seit 201 v. Chr. zur römischen Provinz Tarraconensis und wurde um 415 westgotisch.

Grafschaft Aragonien (812-1035)
Nach einer kurzen Periode maurischer Herrschaft wurden Teile des Gebietes 812 fränkisch. Aus der spanischen Mark Karls des Großen entwickelte sich die Grafschaft Aragonien, als deren erster Graf Aznar genannt wird. Nach Aussterben des Grafengeschlechts kam Aragonien am Anfang des 10. Jahrhunderts an Sancho III., von 970 bis 1035 König von Navarra.

Königreich Aragonien (1035)
Nach dem Tod Sanchos III. erbte 1035 dessen Sohn Ramiro I. Aragonien, das damit zum selbständigen Königreich wurde. Ramiro erweiterte sein Herrschaftsgebiet, das zuvor auf die Jacetania beschränkt war, durch die Erwerbung von Ribagorza und Sobrarbe sowie durch erfolgreiche Kämpfe gegen die Mauren.

Seine Nachfolger Sancho Ramírez (1063-1094) und Peter I. (1094-1104) setzten den Krieg gegen die Mauren mit Erfolg fort. Ein Heer unter Alfons I. (1104-1134) eroberte 1118 Saragossa und erhob es zur Hauptstadt Aragoniens.

Das Testament Alfons I., in dem er das Land den geistlichen Ritterorden vermachte, wurde von den Ständen Aragoniens nicht anerkannt. Sein Bruder Ramiro II., der Mönch, der zu diesem Zeitpunkt Bischof von Roda-Barbastro war, wurde zum König erhoben. Dieser heiratete darauf Inés von Poitou, eine adlige französische Witwe, die am 11. August 1136 eine Tochter, Petronila gebar. 1137 regelte Ramiro II. die Thronfolge dahingegend, dass er Petronila mit dem Grafen Ramón Berenguer IV. von Barcelona verlobte (die Ehe wurde erst 1150 geschlossen, als Petronila 14 Jahre alt war). Wenig später wurde Petronila Königin, während Ramón Berenguer IV. als Graf von Barcelona und Prinz von Aragonien regierte, was die Vereinigung Aragoniens mit Katalonien vorbereitete. Ramiro II. zog sich ins Kloster zurück.


Vereinigung mit Katalonien zur Krone Aragonien 1162/64
Petronellas und Ramón Berenguers Sohn Alfons II. übernahm 1162 als Graf Alfons I. die Herrschaft in Katalonien und nach der Abdankung seiner Mutter 1164 die Königskrone von Aragonien, die daraufhin mit Katalonien vereint blieb. Die so entstandene Staatsgemeinschaft, die neben dem eigentlichen Aragonien auch Katalonien umfasste und sich später auf einen großen Teil des Mttelmeerraumes ausdehnte, ist als Krone Aragonien (spanisch Corona de Aragón, katalanisch Corona d'Aragó) bekannt.

Innerhalb dieser Staatsgemeinschaft behielten die einzelnen Teilgebiete - das Königreich Aragonien im engeren Sinne, Katalonien sowie später auch das Königreich Valencia und weitere Gebiete - ihre innere Selbständigkeit, lediglich auf außenpolitischem Gebiet waren sie unter einem gemeinsamen Monarchen vereint. Unter anderem wurden der Roussillon, Montpellier, die Cerdanya, Carcasonne und andere Pyrenäengebiete sowie Valencia und die Balearen erobert.

Die Krone Aragonien wurde so zum zweiten wichtigen christlichen Reich in Spanien neben Kastilien. Peter II. (1196-1213) nahm seine Krone vom Papst zu Lehen. Jakob I. (1213-76) erließ eine Konstitution für Aragonien und beabsichtigte Teilung des Landes unter seinen Söhnen. Diese kam jedoch nicht zustande, da der älteste Sohn Peter III. (1276-85) seinem Bruder Jakob II., der die Balearen, Roussillon, Cerdanya etc. bekommen hatte, die Lehnspflichtigkeit aufzwang.

Peter III. erwarb 1282 Sizilien, wurde aber infolgedessen in einen Krieg mit Frankreich verwickelt. Als die hierdurch und durch sonstige Fehden hervorgerufene finanzielle Not ihn zur Ausschreibung drückender Steuern bewog, traten die Stände von Aragonien 1283 zusammen, um ihre alten Freiheiten zu verteidigen. Sie zwangen dem König das Generalprivilegium von Saragossa ab, das, später noch erweitert, die königliche Gewalt deutlich einschränkte. 1285 folgte Peters ältester Sohn Alfons III. (1285-1291) in den spanischen Reichen nach, während der jüngere, Jakob, in Sizilien nachfolgte. Alfons setzte seinen Onkel Jakob II. auf Mallorca ab und geriet mit Kastilien und Frankreich in langwierige kriegerischer Auseinandersetzungen, während der die aragonischen Stände ihre Macht erweitern konnten. Nach Alfons' kinderlosem Tod folgte ihm sein Bruder Jakob II. (1291-1327), der Sardinien als päpstliches Lehen erwarb und 1319 die Unteilbarkeit des spanischen Reichs festsetzte. Dennoch doch behielten Aragonien, Katalonien und Valencia eigene Cortes.

Auf Jakob II. folgte sein Sohn Alfons IV. (1327-1336), der gegen die Genuesen und mit seinem Schwiegervater Alfons XI. von Kastilien erfolgreich gegen die Mauren kämpfte. Sein Nachfolger Peter IV. (1336-1387) beendete den Krieg mit Genua, der den Handel Aragoniens stark beeinträchtigt hatte. Er vereinigte Mallorca (1344) wieder mit Aragonien, verlor dagegen Sardinien, wo vor allem das Judikat Arborea kämpferischen Widerstand leistete, teilweise. Während seiner Kämpfe mit Kastilien und unzufriedenen Brüdern gewannen die Cortes immer größere Unabhängigkeit. 1348 siegte Peter IV. jedoch bei Épila gegen aufständische Adlige und erreichte damit eine erneute Festigung seiner königliche Gewalt.

Sein Sohn Johann I. (1387-1396) verlor ganz Sardinien an Eleonora di Arborea. Nach Johanns und seines Bruders Martin I. (1396-1410) kinderlosem Tod entstanden in Aragonien infolge des Auftretens verschiedener Prätendenten heftige Thronstreitigkeiten, aus denen endlich durch den Spruch gemischter Schiedsrichter, dem Kompromiss von Caspe, der Infant Ferdinand von Kastilien, ein Neffe Johanns, als König hervorging, der als Ferdinand I. (1412-16) regierte. Er wirkte eifrig mit zur Beseitigung des großen kirchlichen Schismas.

Auf Ferdinand I. folgte sein Sohn Alfons V. (1416-58). Er überließ die Regierung weitgehend seiner Gemahlin María von Kastilien und seinem Bruder Johann, während er selbst Kriege führte. Er vereinigte Neapel und Sizilien mit Aragonien, hinterließ aber nur einen natürlichen, vom Papst legitimierten Sohn, Ferdinand, welcher ihm in Neapel auf den Thron folgte.

Die spanischen Reiche nebst Sardinien und Sizilien und den Balearen erbte Johann II. (1458-1479), sein Bruder, der durch seine Ehefrau Blanca auch König von Navarra war. Johanns Regierung war hart und willkürlich, gegen seine eignen Untertanen erbat er die Hilfe Frankreichs und bezahlte sie durch Abtretung Roussillons und Perpignans. Er starb 1479.

Die Katholischen Könige und die Vereinigung mit Kastilien
Johann III. folgte sein Sohn Ferdinand II., seit 1469 Gemahl Isabellas, der Thronerbin von Kastilien, wodurch Aragonien mit Kastilien zu einem Reich vereinigt ward.


Mittelalterliche Verfassungsgeschichte
Von besonderem Interesse ist die Verfassungsgeschichte Aragoniens, wo sich das freie Bürgertum in Spanien zuerst ausgebildet hat. Schon 1118 bekamen die Bürger Saragossas alle Rechte geborener Hidalgos, und 1136 ratschlagten Abgeordnete der aragonischen Gemeinden auf der Ständeversammlung der Cortes mit geistlichen und weltlichen Lehnsherren über Steuern und Landesordnungen.

Fortan waren die Städte Aragoniens und Kataloniens besonders auf Erhaltung der ständischen Privilegien und Freiheiten bedacht. Die Cortes von Aragonien, gleichzeitig besucht von den Vertretern des in eine höhere (ricos hombres) und niedere (infanzones, caballeros, hidalgos) Klasse gesonderten Adels und des Klerus, verfügten über Krieg und Frieden, Bündnisse und Verträge, Steuern, Münzen, alte und neue Gesetze und Urteilssprüche der unteren Gerichtshöfe.

König Alfons III. musste die jährliche Berufung der Cortes nach Saragossa im Jahre 1287 als Grundgesetz anerkennen und denselben das Recht des pflicht- und verfassungsmäßigen Widerstands gegen willkürliche Verletzung der ständischen Mitglieder einräumen. Er war sogar gezwungen anzuerkennen, dass, wenn der König sich der Gewaltherrschaft schuldig mache, alle Bewohner Spaniens vom 14. bis zum 60. Jahr gemeinsam zum Sturz des Königs die Waffen ergreifen sollten.

Peter IV. erzwang 1348 die Aufhebung dieser Satzungen, bewilligte aber die Einsetzung einer Behörde, die, zwischen Monarch und Volk stehend, die Rechte des letzteren gegen Übergriffe der ersteren schützen und in Streitigkeiten zwischen der Krone und den Ständen entscheiden sollte. An ihrer Spitze stand der vom König aus der Ritterschaft auf Lebenszeit gewählte, aber lediglich den Cortes gegenüber zur Rechenschaft verpflichtete Justicia.

Die allgemeinen Reichsstände der Krone Aragonien, die anfangs jährlich, seit 1307 alle zwei Jahre von den Abgeordneten Aragoniens, Kataloniens und Valencias gebildet wurden, bestanden aus den vier Abteilungen (brazos = Arme bzw. estamentes = Bänke) der Geistlichkeit, des hohen (brazo de nobles) und niederen Adels (brazo de caballeros e hidalgos) und der Stadtgemeinden (brazo de universidades). Für die Gültigkeit eines Beschlusses der Cortes war Einstimmigkeit der Krone und aller Mitglieder notwendig. Ein ständischer Ausschuss von acht Mitgliedern blieb zur Wahrung der Volksrechte stets zusammen.

Auch nach der Vereinigung mit Kastilien (1516) behielt Aragonien seine alten Freiheiten und verlor dieses erst nach der standhaften Parteinahme für die österreichischen Habsburger im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714).


Napoleonische und Carlistenkriege
In den Carlistenkriegen des 19. Jahrhunderts zeigten die Aragonier denselben hartnäckigen Mut, den ihre Hauptstadt Saragossa 1808/09 bei der Belagerung durch napoleonische Truppen bewiesen hatte. Während Oberaragonien (in etwa das Gebiet der heutigen Provinz Huesca) entschieden der Königin Maria Christina von Sizilien anhing, hielt Niederaragonien (in etwa die heutige Provinz Teruel) zum Prätendenten Don Carlos.

Spanischer Bürgerkrieg
Im spanischen Bürgerkrieg war vor allem das südliche Aragonien Schauplatz erbitterter Kämpfe, von denen die Schlacht von Belchite in Folge einer republikanischen Offensive auf Saragossa im September und Oktober 1937 und die Schlacht von Teruel zwischen Dezember 1937 und Februar 1938 die bekanntesten sind.

Autonomie
Am 10. August 1982 unterzeichneten König Juan Carlos I. und Ministerpräsident Leopoldo Calvo-Sotelo das Gesetz, das die spanischen Cortes Generales verabschiedet hatten und in dem das Autonomiestatut für Aragonien enthalten war. Am 7. Mai 1992 stellte eine Sonderkommission des aragonesischen Parlaments, der Cortes de Aragón, eine neue Fassung des Statuts vor, die vom aragonesischen und spanischen Parlament verabschiedet wurden, und mit denen die traditionellen Institutionen der Cortes, der Diputación General, des Justicia, usw. wieder eingerichtet wurden.

 

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